(Very) personal Loudspeaker und andere Spezialitäten

von jazzlampe

Es ist wieder soweit. Am ersten Wochenende im Februar lädt das HifiStudio Bramfeld ins Hamburger Holiday Inn zum „Hörtest 2017“ ein. Das Event hat Tradition, ist aufgrund seiner Größe durchaus repräsentativ für den Markt und aufgrund seiner Lage auch noch relevant: Es gibt im Norden Deutschlands nichts Vergleichbares. Dazu ist auch noch der Eintritt kostenlos. Aber das bringt Probleme mit sich: Wieder sind es mehr Marken und Aussteller geworden, wieder droht es gnadenlos voll zu werden.

Ich möchte in diesem Artikl mal versuchen – aufbauend aus den Erfahrungen der letzten 11 Jahre – ein paar Empfehlungen auszusprechen. Was droht interessant zu werden?

  1. Titelgebend für den Artikel ist ein seehr spezielles Produkt: Michael Sombetzkis ESL HOME, ein extremes Nahfeld-Konzept. Ein Paar Elektrostaten, Hörabstand zwischen 60 und 80 Zentimeter, 7500€. Ich weiß nicht, ob er diesen installierbaren Kopfhörer, diesen Ein-Mann-Lautspecher, auf eine Messe mitnehmen würde. Die Vorführung erreicht schließlich immer nur einen Hörer. Aber spannend wäre es. Und mit Nachfragen muss er aufgrund der Besprechung in der aktuellen LP eigentlich rechnen.
  2. Christian Isenberg kommt aus seinem Hinterhof und wird wie in jedem Jahr was Feines auf die Beine stellen. Es gab noch kein Jahr, in dem die Vorführkette nicht irgendwas Besonderes zu bieten hatte, was angesichts des überschaubaren Markenportfolios von echter Leidenschaft zeugt. Auch gab es noch kein Jahr, in dem es bei ihm schlecht geklungen hätte, und das hat wohl mit richtig viel Kompetenz zu tun. Sollte man erlebt haben.
  3. Jean Marie Reynaud macht sympathische Lautsprecher. Irgendwie anders, sehr unaufgeregt, fair bepreist, ohne Angeberpotential und ohne Effekthascherei. Der deutsche Vertrieb (H.E.A.R.) führt in der Regel an den vorzüglichen Verstärkern von Audiomat vor – bleibt zu hoffen, dass HEAR auch JMR eingepackt hat. Im letzten Jahr versuchte man mit Wandlern von deVore zu punkten. Aus meiner Sicht kein gute Idee.
  4. Die Neuauflage der deutschen Vinylkultur (ich meine die Ära vor den Chrom-Bohrinseln und Acryl-Altären) stand letztes Jahr vor der Tür. Nicht nur sprichwörtlich. Die sehr ansehnliches Neuentwicklungen von Perpetuum Ebner standen auf dem Flur und gaben keinen Mucks von sich. Schön wär’s, wenn sich das in diesem Jahr mal änderte. Sonst kommt man noch auf die Idee, das wäre alles nur ein Marketing-Gag, oder?
  5. Zum Schluss brauchts der Vollständigkeit halber noch Hörner. Da Basil Martion in diesem Jahr nicht da sein wird um die Hamburger Fischköppe mit dem Einhorn durchzulüften, mache ich mal einen Vorschlag: Odeon mit Verstärkern von NEM (hier ein anschaulicher Bericht bei 6moons) und Plattenspieler von Reed. Viel viel Eisen, Holz und die coolsten Tonarme der Welt. Alles von großartigen Handwerkern. Das sollte die ärgsten Entziehungserscheinungen lindern.

Ich freue mich aufs nächste Wochenende!

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