Wirft Licht auf Töne

Ist das alles?

Das war jetzt mal neu ausgiebige Hörsession mit der Firma Burmester: Die dreieinhalb Stunden Autofahrt mit der V-Klasse von Mercedes-Benz lassen mich doch recht ernüchtert zurück. Da herrscht Pseudoauflösung durch jede Menge Hochton-Energie, es geht auch richtig laut, liefert aber wenig Einsicht ins musikalische Geschehen. Wo sind die Phrasierungen, was ist mit der Feindynamik passiert? Im schicken Luxus-Van passiert emotional gar nix bei mir. Klar, Autos sind keine audiophilen Räume – daran ändert auch Burmester nichts. Doch warum gibt ein Hersteller mit gutem Ruf seinen Namen für etwas her, was nicht überzeugen kann? Und wie sieht der typische Käufer für sowas aus? Bestellt der die Burmester-Anlage, weil es serienmäßig nichts Besseres gibt? Oder lockt der Markenname solvente Kundschaft an, die daheim auch mit dem Küchenradio von Bose zufrieden ist, und jetzt – typisch deutsch – im Auto „das Beste“ haben will?

Wie schon gesagt – ziemlich ratlos.

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AC iPurifier

Ich hab da noch was offen: Einen Bericht über den AC iPurifier von ifi.

Das kleine unscheinbare „Gerät“ ähnelt eher einem massiven Schuko-Stecker, ist streng zylinderförmig und in glänzend weißen Kunststoff gewandet. Alles wirkt überaus solide, und in Anbetracht fehlender Bedienelemente fällt mir nichts ein, was am Purifier kaputtgehen könnte. Auf der Oberseite finden wir eine intelligent schaltende 4mm-Buchse und zwei LEDs. Eine LED zeigt funktionierende Erdung an, die andere weist auf falsche oder richtige Polung des Purifiers hin. Das war’s.

Der praktische Nutzen bis hierhin ist eher beschränkt, vor allem in Deutschland. Üblicherweise habe Geräte, die geerdet gehören, einen Schutzleiter, und dieser hat zu funktionieren. Eine Netzleiste, in der der ifi eine fehlerhafte Erdung anzeigt, bringen Sie bitte zum nächsten Recyclinghof. Ander ist es bei Geräten, die man erden kann – diese haben meistens dafür gekennzeichnete Klemmen oder Schrauben. Hier ist der ifi zur Vermeidung von Brummschleifen sinnvoll einsetzbar – eben mit der erwähnten 4mm-Buchse, die sich bei Bedarf selbst schaltet.

Bleibet noch die Polaritäts-Anzeige. Um gleich mal ein Missverständnis zu beseitigen: Der AC iPurifier zeigt am deutschen Stromnetz nur seine eigene Polarität an, nicht die der anderen angeschlossenen Geräte. Verpolungen sind beim Schukostecker prinzipiell nicht zu verhindern aber eben auch schnell zu beheben. Anders beim britischen Commonwealth-Stecker. Wenn der ifi AC iPurifier hier rot leuchtet, liegt ein richtiger Installationsfehler vor, der alle angeschlossenen Geräte betrifft. In Großbritannien hat der Außenleiter rechts zu sein – immer!

 

Die Hauptaufgabe erledigt ifi nach eigenem Bekunden mit Intelligenz. So wird das anliegende Signal analysiert und nahezu jede Störkomponente, die auf dem 50Hz-Sinus mitreitet, durch gegenphasige Signale „ausgelöscht“. Was wir als „Active Noise Cancelling“ vom Kopfhörer kennen, soll hier also den Strom beruhigen. Daneben sagt ifi seinem Produkt eine Schutzfunktion gegen stärkere Störimpulse nach – eine Eigenschaft, die ich in Ermangelung regelmäßiger Blitzeinschläge in 5 Monaten nicht testen musste.

Dafür durfte ich den kleinen Netzfilter in verschiedenen Konstellationen testen und mir dafür richtig Zeit nehmen. Im Artikel „Womit ich so Musik höre“ hatte ich zwei Ketten vorgestellt, die aktuell so bei mir aufgebaut sind. Dazu kommt noch eine Kopfhörer-Station, bestehend aus einem Raspberry/Hifiberry-Gespann und dem hervorragenden Millett NuHybrid-Kopfhörer-Verstärker. An Kopfhörern sind im Einsatz Beyerdynamic DT880 (600Ohm) und DT770(32hm), AMD K701, AKG K271 studio sowie ein Shure SRH840. Das sollte an Diversität genügen: Ein komplett analoges Röhren-Setup mit 18 Watt und konventionellen Lautsprechern, ein digital gefiltertes Transistor-Grab mit 700 Watt Ausgangsleistung und Koax-Horn sowie eine feinsinnige Kopfhörer-Maschine um richtiggehend in die Aufnahmen hineinzukriechen. Dazu bin ich im Testzeitraum auch noch umgezogen (das gibt einen eigenen Bericht), habe also neben allem anderen eine neue Hausverkabelung und möglicherweise eine andere Zusammensetzung von Störquellen bekommen. Das erklärt auch den langen Zeitraum, den ich nun schon mit diesem Test verbringe – die Rahmenbedingen haben sich geändert und wollen fair betrachtet werden.

Der Hersteller selbst schlägt verschiedene Einsatzmöglichkeiten vor: In benachbarten Wanddosen sowie in Steckerleisten vor und hinter kritischen Komponenten. Habe ich alles ausprobiert. Bedarf ist da: Britzeln, Rauschen, Unruhe im Klangbild und zerfaserte Höhen sind alles Erscheinungen, die mir nicht fremd sind. Sie sind nicht sonderlich stark ausgeprägt – dann und wann nehme ich sie aber wahr und würde mich über Verbesserung in diesem Punkt freuen. Und wenn ein iPurifier nicht helfe, so suggeriert ifi, sei es sinnvoll, gleich mehrere Filter einzusetzen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ich bin bei einem Einzelexemplar geblieben und wollte hören, was mit einer einmaligen Investition von 119€ möglich ist :

Das kommt jetzt vielleicht ernüchternd rüber, aber es ist mir in 5 Monaten an drei Ketten und in zwei Häusern nicht gelungen, irgendeinen Effekt zu hören, der mit dem Testgerät zu tun hätte. Das Spektrum an Störgeräuschen, das ich bei mir kenne, verändert sich durch den Einsatz des iPurifiers nicht. Es wird nicht dumpfer oder heller, es wird nicht weniger störend und auch nicht leiser. Die Musik wird nicht besser erfahrbar, direkter oder sauberer in den Raum gestellt. Abgrenzung von Instrumenten und Raumbezüge in der Tiefe werden nicht klarer. Da nicht auszuschließen ist, dass sich meine Geräte gegenseitig beeinflussen, habe ich beim Hören eine Komponente nach der anderen ausgesteckt und zum Schluss nur noch mit dem Verstärker am Netz und meinem Ohr am Hochtöner versucht, Änderungen zu erkennen. Dabei enttarnte ich zwei Störenfriede in den eigenen Reihen, gegen die der kleine ifi nichts ausrichten kann (mein Phono-Vorverstärker und die Bullfrog Endstufe).

So wie die Sache steht, ist der ifi iPurifier für mich ein schickes Zubehörprodukt (mit Phasenprüfer,) das ich zwecks Beruhigung meines Gewissens im Steckplatz vor meinem miniDSP eingesteckt lasse. Vielleicht funktioniert ja der Schutz gegen starke Impulse und rettet wenigstens dem DSP mal das Leben?

Womit ich dem Produkt an sich seine Wirksamkeit nicht vollends absprechen will – nur funktioniert es bei mir und meinen Ohren nicht. Die Beschäftigung mit dem Thema ist absolut spannend, und ich werde früher oder später sicher noch einen Filter von Isotek oder Furman ausprobieren. Überhaupt sollten wir Konsumenten mehr experimentieren – und ehrlich darüber sprechen. Dann mit mehr Erfahrung und weniger Marketing-Sprech hätte das Thema Stromversorgung vielleicht mal eine Chance, fair beleuchtet zu werden.

 

Womit ich so Musik höre

Ja, das ist ein ziemlich egofuckiger Lückenfüller – ich weiß. Aber im Job wie auch privat ist es gerade zu turbulent um über was Substantielles wie Musik zu schreiben. Auch neue Technik ist rar: Der ifi AC ipurifier steckt in verschiedenen Setups immer wieder mal in der Steckerleiste – ein Urteil gibt es dazu aber immer noch nicht. Da liste ich doch erstmal auf, womit ich so Musik höre.

Neben den tragbaren Gerätschaften für S-Bahn, einsame Fußweg und langweilige Hotelzimmer gibt es nämlich zwei etwas größere Setups. Nur falls mal einer fragt:

Raum 1

  • Plattenspieler Technics Sl-1210 mit AT440MLa, Carbonmatte und Plattengewicht bfly PG1+ MK2
  • Digitaltransport Raspberry Pi 2B mit Tuning-Netzteil ifi iPower
  • DAC ifi micro iDSD
  • Diverse Kopfhörer von AKG, Shure und Beyerdynamic
  • Kopfhörerverstärker Millett NuHybrid
  • Phono Vorverstärker Little Bear T10, externes Netzteil und weitere Modifikationen
  • Vollverstärker Cayin A-55T
  • Cinchkabel Martion Orgon Blue
  • Lautsprecherkabel Kimber 8PR
  • Lautsprecher Sonics Amerigo
  • Zubehör Netzkabel und ungefilterte Netzleiste DIY auf Basis von Rittal 7240, Sorbothane-Dämpfer, Rack IKEA Expedit (wegen der Schallplatten)

Raum 2

  • Digitaltransport Raspberry Pi 3 mit HifiBerry Digi Pro
  • SACD-Player Denon DVD-3930
  • Reclocker Mutec MC-3+ Smart Clock
  • DAC, DSP, Frequenzweiche, Raumkorrektur, Vorverstärker MiniDSP 4×10 HD
  • Aktivlautsprecher mit 4-Kanal-Endstufe Martion Bullfrog
  • Kabel alle DIY auf Basis von Cordial, MTI und Sommer
  • Zubehör Netzkabel und ungefilterte Netzleiste DIY auf Basis von Rittal 7240, Rack von Martion

Server

HP-server mit Intel i5, 8GB RAM, 128GB SSD, 4TB HDD, Teac DVD-Laufwerk, Windows 10, Logitech Media Server 7.9 nightly, EAC, Filternetzleiste, WLAN 802.11ac, Internetanbindung mit VDSL 100MBit/s

Und falls noch jemand weiter fragt: Das ganze Streamingzeugs läuft über WLAN, selbst DSD64 und PCM mit 24/192 sind damit problemos und wohlklingend machbar. Für die Leute, die sich gerade überlegen ihr Geld für audiophile Cat.7-Strippen und audiophile Switche auszugeben: Muss man nicht.

Nein zu No Billag: 72 Prozent der Schweizer stimmen für die Rundfunkgebühr

…und damit für die gesicherte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Gestern war für mich ein guter Tag. Wenn ich auch in Deutschland lebe und nicht betroffen bin, die Signalwirkung bei einem Ja wäre wohl beängstigend ausgefallen.

Ich wüsste nicht, wie mein Medienkonsum ohne Deutschlandfunk Kultur, den NDR, arte oder 3Sat aussähe. Allein mein bewusster Radiokonsum umfasst 10 Stunden pro Woche. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ein so vielfältiges Programm, wie wir es in Deutschland zur Zeit nutzen dürfen, von gewinnorientiert arbeitenden Unternehmen gestaltet werden könnte. Dazu genügt ein Blick auf den IST-Zustand: Gibt es in Deutschland ein privates Kulturradio mit Niveau? Mit Hörspielen, Features und echten Musikredakteuren*? Gibt es überhaupt einen privaten Fernsehsender, bei dessen Konsum eine Aufmerksamkeitsspanne von 5 Minuten nicht ausreichend ist?

Am schlimmsten finde ich dieses neoliberale Gefasel vom Markt, der für alles sorgt. Der für ein Angebot sorgen wird, das wir eigentlich schon hatten und dann kaputtgemacht haben (wie z.B. öffentliche Krankenhäuser). Was tritt denn an die Stelle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wenn wir den kaputtmachen? Aus „Andruck“ wird ein Youtube-Kanal zum politischen Buch? „Sein und Streit“ gibt ein werbefinanziertes Gute-Nacht-Magazin bei Vox? „Interpretationen (light)“, präsentiert von Klassik Radio und Amazon?Das glaubt doch niemand, oder? Das wird verschwinden – die kleinen Clubs und Buchläden als Austragungsorte gibt es dann auch nicht mehr. Im medialen Raubtierkapitalismus zwischen Amazon, Alphabet, Fox und RTL wird es keine Bedeutung mehr haben. Dann ist es genau da, wo der Markt es haben will.

Da bin ich dagegen.

https://www.tagesspiegel.de/medien/nein-zu-no-billag-72-prozent-der-schweizer-fuer-rundfunkgebuehr/21029924.html

*) Den fleißigen Machern offener Radio- und Fernsehformate möchte ich nicht unrecht tun. Ich bin ein Fan von Radio ZuSa und Tide. Sie begeistern für Radio und Fernsehen, sie bilden aus, sie sind kreativ und für ein lokales Publikum wie auch für kleine Sparten interessante Ergänzungen. Den Gestaltungsspielraum, die Finanzkraft beim Einkauf von Rechten und das journalistische Niveau der gebührenfinanzierten bundesweiten Sender können sie einfach nicht erreichen.

Vorschau: Test des ifi AC iPurifier

Am nächsten Wochenende nehme ich mir wieder etwas Zeit für geplant neue Erfahrungen. Diesmal mit einem parallelen aktiven Netzfilter für verhältnismäßig wenig Geld, dem ifi AC iPurifier. Die Infos im Netz sind spärlich, der Vertrieb super nett aber bei den Fakten etwas ungenau. Das muss ich also selbst ausprobieren. Bin gespannt, werde berichten, aber das dauert.

Stromzubehör erschließt sich nicht so schnell wie anderes Hifizeug, das merke ich jetzt und bitte um Geduld.

Millett’s NuHybrid – (5) – ausführlicher Hörtest

Eine reichliche Woche haben ich den NuHybrid nun bei mir im Einsatz. Jeden Tag fällt mindestens eine Stunde intensives Musikhören dabei ab – am Wochenende ist es deutlich mehr, außerdem genieße ich mit meiner Frau auch gerne mal Filme über Kopfhörer. Jaja, wir sind lieb zu unseren Nachbarn… Ganz grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die tägliche Stunde viel zuwenig ist – das Ding macht süchtig! Aber erstmal der Reihe nach.

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Ich höre über verschiedene Quellen: Am PC hängt ein M2Tech Hiface Dac, im Schlafzimmer steht ein IFI micro iDSD, im Wohnzimmer ein Denon DVD 3930 und in allen anderen Situationen nutze ich noch einen Hifiberry DAC – den allerersten mit dem  PCM 5102A. Meinen Nuhybrid schleppe ich also seit einer Woche von Raum zu Raum um ihn in allen Paarungen mal ausprobiert zu haben. Außerdem mussten verschiedene Kopfhörer* ran:

  • Shure SRH840
  • Beyerdynamic DT 770 32Ohm
  • Beyerdanymic DT 880 edition 600Ohm
  • AKG K271 Studio
  • AKG K701

Technisches

Die NuHybrid ist ein kleine Diva, die gleich zwei Star-Allüren mitbringt:

  1. Die Nutube neigt unverholen zur Mikrophonie. Wie Korg sich das in einem Gitarrenverstärker oder gar Bodeneffektgerät vorstellt, erschließt sich mir nach den ersten Erfahrungen wirklich nicht. Egal, was Sie mechanisch anstellen – Gehäuse antippen, den Kippschalter beim Anschalten schön schnippen lassen, den Verstärker zurechtrücken und dabei über die Stellfläche ziehen – alles wird mit hochfrequentem Sirren und Pfeifen beantwortet. Dieser Tinnitus braucht so 10-20 Sekunden um abzuklingen.
  2. Sie spielt nicht mit jedem sondern hat krasse Vorlieben. Vergessen Sie In-Ears und alles unter 250Ohm! Faustregel: Besser hochohmig und gerne leistungshungrig und offen. Der Shure (geschlossen, 40Ohm) reproduziert merkliches Brummen und Rauschen, klingt dumpf und immer zu laut. Der K701 kann die Spannung von bis zu 6 Volt gebrauchen, wirkt aber an der NuTube immer ein wenig angestrengt, komprimiert und hart. Ebenso der DT770. Bei 32 Ohm Impedanz rauscht es immer ein wenig, so dass beispielsweise bei Kammermusik viel Spannung verloren geht. Und Leisehören geht damit ebenfalls nicht. Den Traumpartner findet Pete Milletts Zögling im DT880 edition (600Ohm). Da stimmt auf einmal alles. Und das klingt dann so:

Dynamik

Butterweich geht der kleine Hybridverstärker zu Werke, feindynamisch hochspannend, aber in der Grobdynamik, in allen Impulsen und Transienten eher sanft. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Sie können sich schon prima erschrecken, wenn Dizzy Gillespie in „Frelimo“ plötzlich aus der Hüfte schießt. Und auch die kleine Trommel im ersten Takt von Poulencs Konzert für zwei Klaviere setzt mächtig Adrenalin frei. Aber eben stilvoll. Wo man dem DT880 gern Schärfe nachsagt ist hier alles eitel samtene Eleganz. Das geht laut und lange.

Frequenzbereiche

Tonal zeigt sich Milletts Konstruktion mustergültig – der Bass ist voluminös bis mächtig, dabei aber fein durchgezeichnet und kontrolliert. Er kann so knarzig und wuchtig daherkommen, dass Sie vergessen, dass Sie gerade nur Kopfhörer aufhaben.
Der Grundton ist einfach da – unauffällig, genug, um glaubhafte Körperhaftigkeit zu vermittleln, wenig genug um auf Lange Sicht nicht zu nerven.
Die Mitten sind wie bei den besten Single Ended Trioden klangfarbenstark und das wahre Fundament der Musik. Kennen Sie das – Aufnahmen, bei denen Sie im Booklet nachlesen müssen, ob Sie da gerade eine Klarinette oder ein Saxofon hören? Ja? Das ist mangelndes Auflösungsvermögen im Mittelton. Ich sage nicht, dass das mit dem Millett gar nicht mehr vorkommt, für die Aufnahmen kann er ja nichts. Aber dieses Gefühl, dass alles genau das ist, wonach es sich anhört – das ist richtiges Hifi und in diesem Gerät verdammt gut umgesetzt.
Die Höhen sehe ich kritisch. Samtig und detailreich ja, aber auch sehr anfällig für Klirr und andere Unbilde. Den von Pete Millett offen zugegebenerhöhten Klirr hören Sie, wenn Sie hoch ausgesteuerte Musik richtig laut hören wollen, und zwar im Hochton zuerst. Der Song „Brother? Brother!“ auf der gleichnamigen CD von Anne Ducros ist da ein schlimmes Beispiel.

Räumlichkeit und Auflösung

Räume reproduziert der NuHybrid an den richtigen Kopfhörern zum Niederknien schön. Weit, luftig zum Reinkriechen und Wegträumen. Faszinierend auch, dass Entfernung und Auflösung kein Widerspruch sind. Bei „Larry The Spinning Poodle“ von Bruce Katz bewegt sich das Saxophon immer leicht vor dem Mikrofon hin und her, räumlich dahinter findet im Klavier ein wilder Ragtime statt, aber da fehlt nichts. Suber aufgestellt, klar nachvollziehgbar und mit analytischen Kopfhörer ganz großartig durchhörbar ohne zu zerfallen.

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Was für ein fein glimmender Staubfänger. Der Millett NuHybrid ist für technisch affine Menschen durchaus hübsch anzuschauen. Wie lange das in den üblichen Staub-Dimensionen eines deutschen Haushalts noch so bleibt, ist ungewiss. Zur Notbekommt er später doch noch ein geschlossenes Gehäuse. Der Signal-Rausch-Abstand wird’s danken.

Fazit

Pete Millett ist mit seinem NuHybrid ein tolles Gerät zum Musikhören gelungen. Wer noch nie mit ernsthaftem Hifi zu tun hatte oder wissen will, was den Reiz von Röhrenvorstufen ausmacht: Hier ist der simple approach, der leichte Einstieg ins Selbermachen, ins Kennenlernen und dabeibleiben – er ist schnell aufgebaut, setzt wenig Kenntnisse und noch weniger Wissen voraus. Dazu gibt er sich so langzeittauglich wie wenige andere Komponenten, die ich kenne. Die Macken, die er hat, sind mit dem passenden Kopfhörer, einem guten Aufstellungsort (und dem Verzicht auf totkomprimierte Popmusik) gut in den Griff zu kriegen. Was dann kommt, ist einfach nur Spaß!

 
Gehörte Musik:

  • Stavanger Symphony Orchestra, Ole Kristian Ruud: Geirr Tveitt – 100 Folk Tunes (FLAC, 16/44.1)
  • Oregon – Oregon (FLAC 16/44.1)
  • Dizzy Gillespie – Dizzy’s Big 4 (FLAC 16/44.1)
  • Anne Ducros: Brother? Brother! (FLAC 24/44.1)
  • Bruce Katz Band: Transformation (FLAC 24/96)
  • Malaysian Philharmonic Orchestra, Claus Peter Flor: Dvořák, Symphony No. 7 (DSD)
  • Joël Grare, L’Ensemble Paris Istanbul Shanghai: Paris Istanbul Shanghai (FLAC 16/44.1)
  • Anima Eterna Brugge, Jos Van Immerseel: Poulenc – Œuvres pour clavier & orchestre (FLAC 24/44.1)
  • Badbadnotgood: IV (FLAC 24/96)
  • Feuerwerk für Orgel – Gerhard Oppelt an der großen Orgel der Lindenkirche Berlin Wilmersdorf (FLAC 16/44.1)
  • SWR Sinfonieorchester, Ernest Bour: Maurice Ravel – Le tombeau de Couperin (FLAC 16/44.1)
  • Bojan Z – Xenophonia (FLAC 16/44.1)

*[Warum da kein echtes High-End-Geschoss dabei ist? Ist ein anderes Thema – hat was mit persönlichen Ansichten zu tun. Bericht ist Arbeit.]

Millett’s NuHybrid – (4) – Villa Lötfried

Am letzten Wochenende war es so weit:

3 Stunden dauert es, dann steht der Millett NuHybrid da und ist benutzbar. Was Sie brauchen, ist Sorgfalt beim Sortieren der Teile, Petes Anleitung, einen vernünftigen Lötkolben, Lötzinn, eine dritte Hand, gern mit Lupe, einen Saitenschneider, einen Uhrmacherschraubendreher und ein Digitalmultimeter. Was ich noch benutzt habe, ist eine Atemmaske, denn obwohl auf meinem neuen Lötzinn groß „halogenfrei“ steht und es auch deutlich weniger qualmt als mein altes – gesund fühlt sich das verdampfende Flussmittel irgendwie nicht an.

Die Rückseite ist nicht so schön geworden, aber meine Lötstellen werden mit der Zeit immer besser. Letztlich ist es zweitrangig – offensichtlich habe ich fehlerfrei gearbeitet. Ales funktioniert aus dem Stand. Beim ersten Messen des Ruhestroms habe ich mich gehörig erschreckt. 0 Volt? Was‘ denn das? Oh, ähm, die OpAmps vergessen einzustecken.

Dann am Abend mein erster Funktionstest, das klingt ja warm und butterweich. Die Nutube ist aber übelst mikrofonieanfällig. Nun ja – ein verklebtes Sandwich aus Aluplatten und Teichfolie ins Gehäuse montiert und schon steht die Kiste fest genug, um sich nicht vom Cinchkabel über den Tisch ziehen zu lassen.

Enttäuscht bin ich vom teuren Poti aus Japan. Das TKD brummt, wenn meine Hand in seine Nähe kommt. Und es kratzt. Am unteren sowie oberen Ende des Regelbereichs kommt noch ein Fauchen dazu. Das hab ich mir anders vorgestellt. Doch auch das lässt sich teilweise beheben: Eine Erdungsschelle hinter der Überwurfmutter und ein Stück Litze zum Massepol der LED. Dann ein paar Mal zügig am Regler gedreht. Schon ist Ruhe.

Den Tipp mit der Erdung des Potis finden Sie neben zahlreichen anderen wertvollen Hinweisen im Thread bei Head-Fi.org